Wohin geht OCR? Nach Esbjerg ist vor London

Wohin geht OCR?

Diese Frage wurde heiß diskutiert. Vor allem nach meinem Artikel über die OCR EM in Esbjerg entbrannte eine heiße Diskussion unter anderem in der OCR Worlchampionchips Gruppe-  Sogar den WM-Organisator Adrian Bijanada sah sich zu einem spontanen Statement veranlasst. Aber gibt es nach der langen Debatte eine Antwort auf diese Frage???

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Das deutsche Team bei der OCR EM jede Menge gute und unterschiedliche Athleten. Wer ist der beste?

Nein, aber es gibt verschieden Positionen und Herangehensweisen, meistens sind die Positionen der Sportart und den Stärken des Athleten geschuldet der sie vertritt? Gibt es einen Mittelweg? Ja, den gibt es und ich glaube es ist die Aufgabe von OCR-Rennen genau diesen Mittelweg zu finden. Verschiedene Typen, verschiedene Antworten:

Position 1: Der Ninja

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Foto OCR Bilder (Michael Schröder)

Der Ninja hat seine Heimat in der Boulderhalle oder am Kletterfelsen, vielleicht ist er sogar mal beim Ninja-Warrior im Fernsehen gewesen. Evtl. ist er auch ein ehemaliger Turner, der sich jetzt im Crossfit austobt. Diese ganzen Heavyweight Sachen sind jedoch nicht immer seins, deswegen macht er lieber OCR-Läufe. Laufen findet er eigentlich ehr doof, ist aber gezwungen jetzt doch einmal die Woche wenigstens ein Tempotraining oder einen Trailrun einzubauen, damit er beim OCR mithalten kann. Das Outdoorequivalent ist der Parcourläufer, er springt zielgenau von A nach B, aber bloß nichts über 5km. Die EM war für ihn genau das richtige Rennen. Endlich haben diese ganzen Läufer mal so richtig eins auf die Fresse bekommen und man musst mal zeigen, was man an den Hindernissen kann. Der Ninja hat vergessen, dass der Mensch sich vom Affen zum Läufer entwickelt hat und möchte am liebsten zurück auf dem Baum. Wenn es nach ihm ging würde OCR ohne Sandsäcke und ohne Laufen auskommen.

Position 2: Der Läufer

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So könnte ein Läufer aussehen…

Der Läufer kommt noch vielseitiger daher. Es gibt ihn als Ultra-, Trail-, Marathonläufer. Dann gibt es da noch die ehemaligen Leichtathleten.  Denen ist  ihre Sportart irgendwann zu stumpf geworden, deswegen machen sie es jetzt lieber mit Hindernissen. Der Läufer ist ein Freund von Laufpassagen, er findet es Abwechslungsreich und bevorzugt Rennen, bei denen er seine Geschwindigkeit voll ausspielen kann. Ein Sandsack ist nicht so schlimm, aber sobald es an die Monkeybar geht kotzt der Läufer ab und fällt wie ein nasser Sack. Seit er das mit dem OCR entdeckt hat findest du ihn im Fitnessstudio wieder, wo er betont, dass er das nur tut, damit er beim nächsten Lauf nicht mehr von der Monkeybar fällt. Nachdem er festgestellt hat, dass das mit dem Fitnessstudio nicht so gut klappt findest du ihn auch manchmal beim Crossfit oder in der Boulderhalle, wo er auf die Ninjas trifft. Spannungen sind vorprogrammiert! Wenn es nach dem Läufer ginge, dann würde es eine Laufstrecke geben, die den jeweiligen Läufertypus vertritt. Trailläufer mögen es technisch, Marathonis ausdauert und der klassische Läufer mag es flach und schnell, dem Ultraläufer kann es nicht genug sein. Wenn er am Rigg abschmiert, dann läuft er halt die Extrarunde, warum eigentlich nur eine?

Position 3: Der Hard and Heavy Guy

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Carrytraining bei Volkers Ten Men OCR Camp

Der Hard and Heavy Guy ist klassisch in der Crossfitbox zu finden. Eigentlich ist für ihn der einzih richtige Wettkampf die Crossfitgames, aber die sind nunmal nur einmal im Jahr. Aber er hat da mal ein Spartan Race gemacht und seitdem findet er OCR auch ganz geil. Das mit dem Dreck und so, das fetzt. Burpees? Er schimpft zwar jedes Mal darüber, aber eigentlich ist er ein richtiger Burpeejunkie, manchmal ergänzt er sein Training auch mit Calisthenics oder Freeletics.

Man muss ja auch ein wenig Cardio trainieren.

Crossfit Endurance ist auch ganz geil, bei Murph läuft man wenigstens eine Meile vor und nach dem Wod. Der Hard and Heavy Guy findet laufen kacke und kann den Riggs auch nicht so viel abgewinnen. Masse muss schließlich bewegt werden und das ist echt anstrengend. Wenn er nicht irgendwo mal festgestellt hätte das dieses Laufen auch irgendwie gut ist, würde er es lieber weglassen. Die Erfindung der Beastgames hat er hart gefeiert und wenn es nach ihm ginge würde es noch mehr Sandsäcke, Eimer, Atlassteine und Burpees geben. Hauptsache diese ganzen Läuferhemden und Ninjaaffen werden ordentlich gebremst und lernen mal was richtiger Sport ist.

Fat Raccoon Spartan Mallorca Pancake Carry
Mehr Sandsäcke? Wenn du 80kg wiegst sind die 10 Kilo halt auch nur 1/8 deines Körpergewichts, bei 50kg sieht das anders aus…

Position 4: The Original Tough Guy

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The Originial Tough Guy alles andere ist Kindergeburtstag…

Der Originial Tough Guy würde eigentlich niemals bei so einer Kommerzscheiße, wie einer WM oder EM, teilnehmen. Er fährt seit mindestens 30 Jahren nach Wolverhampton und springt dort in ekelhafte Schlammpfützen und freut sich, wenn sie zugefroren sind. Wenn er über die maroden Holzhindernisse klettert freut er sich, dass er wieder mal ein weiteres Jahr nicht derjenige war, der durchgebrochen oder abgestürtzt ist. Wenn es nach ihm gehen würde, würde die WM und die EM jedes Jahr in Wolverhampton stattfinden alles andere ist eh zu leicht. Allenfalls das Getting Tough in Rudolstadt wäre noch eine adäquate Alternative, auch wenn das natürlich gar kein Vergleich ist. Diese ganzen Ninjas und Läufer und diese Fitness, Crossfittypen sollen nur nach Wolverhampton kommen. Spätestens wenn es kalt wird, haben die eh keine Chance mehr. OCR ist ganz nett um für den Tough Guy in Form zu bleiben. Aber eigentlich wartet der Original Tough Guy nur auf den nächsten Winter.

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Mr. Mouse findet das gut!

Position 5: Der Toughmudder

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Hauptsache Schlamm in der Fresse und was zum posten.. Geil! Foto Michael Schröder

Der Toughmudder findet diese Matschläufe cool, er hüpft am liebsten in Gruppen und verkleidet in irgendwelche Schlammpfützen, zuhause bei seinen Arbeitskollegen und Freunden in Zombieland wird er dafür bewundert wie sportlich er ist, weil er beim Toughmudder oder einem vergleichbaren Spaßlauf an der Start gegangen ist. Das Foto in Facebook, kann gar nicht genug Schlamm enthalten. Das war ja wieder so verückt am Wochenende. Eine richtige Challenge. Der Toughmuddertyp wäre gerne Ninja, Läufer und Heavyguy in einem, ist aber mit 6km beim Mudmasters/Strongviking/Spartan oder wie si alle heißen schon ausgelastet, weil er so viel Training nicht in seinen Alltag unterbringen kann. Er hat sich aber vorgenommen, beim nächsten mal die 18km zu laufen und trainiert seit dem 2 mal mehr in der Woche. Er bewundert den Tough Guy und macht bestimmt auch mal das Getting Tough aber erstmal muss er dafür fit werden. Lieber also nochmal ein paar Bändchen sammeln und nächstes Jahr dann angreifen. Aber dieses Wettkampfzeug ist auch eigentlich nicht so wichtig. It’s a challenge not a race… 😉

Position 6: Der OCR-Athlet

OCR 24h Enduro Worldchampionchips Fabian Sinning Fat Raccoon Weltmeister
Laufen und Matsch…

Der OCR-Athlet vereint alle diese Typen unter einem Dach (auch die, die ich jetzt vergessen habe). Er hat die Griffkraft des Ninjas, er hat die Geschwindigkeit des Läufers,  er hat die Kraft des Hard and Heavy Guys und die Willensstärke des Original Tough Guys und ja er hat auch etwas vom Toughmudder… Auch wenn das die wenigsten gerne zugeben, wenn es keine 20.000 Teilnehmer an einem Mudmasterwochenende geben würde, wäre ein 24h Lauf finanziell nicht möglich. Wenn es keine Agegrouper geben würde, wäre eine EM oder WM zum Gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich und wir haben alle mal damit angefangen. Aber meines Erachtens ist das was unseren Sport ausmacht, dass wir eben alle Allround-Spezialisten sind und ein guter OCR-Wettkampf von allem das beste abverlangt. Eine gute Meisterschaft ist zwischen diesen Typen ausbalanciert und ein guter OCR-Athlet auch, er wird weder einen Usain Bolt, einen Moe Farah, Wilson Kipsang, einen Killian Jornet, Scott Jurek,  einen Rich Froning, noch einen Arnold Schwarzenegger, schlagen. Wenn du aber allem, in allen Disziplinen antreten lässt, dann wird der OCR-Athlet in Summe vorne mit dabei sein.

OCR 24h Enduro Worldchampionchips Fabian Sinning Fat Raccoon Weltmeister
Klettern und Ausdauer…

PS: Mir ist auch klar, dass das jetzt ziemlich polemisch war, aber letztendes geht es meiner Meinung nach darum, dass im OCR Bereich sich die verschiedenen Typen annähern, um den besten Allrounder zu bestimmen. So sollten auch die Wettkämpfe sein. Klar soll eine WM-Strecke eine Herausforderung in allen Bereichen darstellen und ein Athlet muss alle Hindernisse schaffen, wenn er zur Elite gehören will. Aber dann ist es die Herausforderung für den Veranstalter, die Hindernisse so zu balancieren, dass sie den ganzen Körper fordern. Wenn der Sieger des Rennens am letzten Hindernis sein Hände nicht mehr benutzen kann war dieses Ziel verfehlt.

OCR 24h Enduro Worldchampionchips Fabian Sinning Fat Raccoon Weltmeister
Nur wer alles kann, ist vorne mit dabei…

Was meinst du?

Hast du dich mit einem der Typen identifizieren können? Habe ich deinen Typ vergessen? Lass es mich wissen.  PS: Wenn du wissen willst, welcher Typ ich bin, kannst du ja mal in meinen Rennberichten stöbern. 😉

 

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