Warum es Sportvereine braucht – Ein Plädoyer für einen OCR-Verband

Warum es Sportvereine braucht – Ein Plädoyer für einen OCR-Verband

Deutschland Verband Team Germany OCREC
Die deutschen Athleten bei der EM

Als ich mit dem Laufen anfing habe ich mich gefragt, warum ich einem Verein beitreten sollte. Es ist ja eher so mein persönliches Ding und eigentlich laufe ich zwar gerne in Gruppen, aber eher so unverbindlich. Ich fand es großartig, mich über Facebookgruppen zum Laufen zu verabreden und konnte meinem Sport auch einfach so nachgehen. Je mehr Trainingsgruppen ich besuchte, desto mehr bin ich auch gelaufen. Für das Marathontraining konnte ich quasi jeden Tag mit einer anderen Trainingsgruppe laufen. Das schöne ist, ich muss mich nicht festlegen, ob ich komme und wenn ich regelmäßig komme, bekomme ich sogar unter Umständen etwas geschenkt. Ist ja großartig! Aber es bleibt etwas auf der Strecke und darum soll es in diesem Artikel gehen. Gerade im Zuge der Debatte um die Entwicklung des OCR-Sportes voranzutreiben ist es wichtig Vereine und einen Deutschen Verband zu gründen. Warum werde ich darlegen:

1. Es geht ums Geld!

Das größte Problem ist wie immer das Geld. Wenn du den Firmenlauftreffs das Feld überlässt steht der Läufer niemals im Mittelpunkt. Sondern in der Regel die Kundenbindung an den Konzern. Ein Konzern wird daher bei seinem Lauftreff immer dafür sorgen, dass du dich wohlfühlst und dass du seine Produkte kennenlernst. Ob diese Produkte immer sinnvoll sind, steht auf einem anderen Blatt. Natürlich scheinen diese Lauftreffs erstmal kostenlos, aber du bezahlst sie teuer und damit meine ich nicht nur die 150 für ein Paar Schuhe, dass in der Herstellung unter 10€ liegt. Was du eigentlich aufgibst, ist deine Freiheit.

2. Vereine haben Macht!

Vereine sind und waren immer schon eine Form der Politik. Die Idee das Sport und Politik voneinander getrennt sind, ist Schwachsinn! Auch die Idee, dass während der Olympischen Spiele Konflikte ausgesetzt werde ist HOCHPOLITISCH!

Wer sich für Sport und Politik interessiert, dem sei die Geschichte der Turnerbewegung ans Herz gelegt. Die Turnerbewegung war in ihrer Entstehung eng mit der deutschen Nationalbewegung verknüpft. Der Leitspruch der Turner: Frisch, Fromm, Fröhlich und Frei zeugt davon. Die Idee war, dass nur ein körperlich fitter Mensch in der Lage ist für seine Freiheit zu kämpfen. Heute wissen wir, dass körperliche und geistige Gesundheit oft viel enger verknüpft sind, als wir das in unserer verkopften Gesellschaft wahrhaben wollen. Dein Körper bestimmt deinen Lebensstil.

Vereine dienen immer einem Zweck. Dieser muss in der Vereinssatzung explizit genannt werden. Sportvereine haben sich der Förderung des Sports verschrieben und diesen Zielen muss der Vereinsvorstand folgen. Der Verein verfolgt also keine wirtschaftlichen Interessen, wie ein Unternehmen. Zweck einer Unternehmung ist ausschließlich das Erzielen von Gewinnen. Organisationsformen wie der Verein können also Menschen zu einem Zweck versammeln.

3. Der Verband – Eine Interessensvertretung für Athleten

Ein Verband versammelt Vereine und Athleten ebenfalls zu einem gewissen Zweck. Dieser ist die Förderung des gemeinsamen Sports. Ein Verband kann nur auf Basis einer Vereinsstruktur entstehen, da ein Verband eine breite Basis an Mitgliedern braucht. Ein Verband dient der Interessensvertretung der einzelnen Sportler und Vereine. Je mehr Vereine es gibt, desto länger kann diese Interessensvertretung dauern, da die Pluralität der Mitglieder natürlich mit einer Pluralität der Meinung einhergeht. In meinem Artikel über die verschiedenen OCR-Typen habe ich ja bereits einen Teil der verschieden Blickwinkel auf unseren Sport dargestellt. Warum also sollte ich diesen langwierigen Prozess eingehen? Warum sollte ich Geld und Zeit in etwas investieren, bei dem ich nicht weiß, was am Ende herauskommt? Weil Vereine und Verbände demokratisch sind und ja das dauert lang und ja das ist sperrig und ja am Ende kommt zu nicht hundert Prozent das heraus, was ich wollte. Aber ich wurde gehört!

Die Frage ist also von wem mache ich mich abhängig? Von niemandem? Ist das wirklich wahr?

4. Wenn du es nicht machst machen es andere

Fat Raccoon, Toughest Mudder, 8 Hours, Nachtschicht, Lausitzring, OCR Pacemakers
Der Toughest Mudder, nur eine von vielen Meisterschaften und WMs…

Was passiert, wenn es keine breite Verbandsstruktur gibt erleben wir gerade im OCR-Sport. Es gibt Firmen die die Rennen ausrichten, diese stehen vor allem unter dem Aspekt der Profitmaximierung und in Konkurrenz zueinander. Konkurrenz belebt das Geschäft, dass haben wir bei der EM erleben dürfen, jeder Rennveranstalter der genug bezahlt hat und jeder Hindernisbauer durfte seine Hindernisse präsentieren. Das Ergebnis? Ein Desaster für die Athleten, blutige Hände waren da noch das geringste Übel. Aber das Schlimme ist, dass die meisten großen Sportveranstaltungen nicht mehr ohne Sponsoring auskommen. Sponsoring bedeutet nichts anderes, als das Firmen ihre Produkte präsentieren und werben dürfen. Werbung bedeutet, dass die Firmen ihre gesamte finanzielle Austattung dazu nutzen können dir zu erklären warum du gerade ihr Produkt brauchst um zu leben, laufen oder was auch immer. Das bedeutet die Abhängigkeit der Sportler, Trainer, und eigentlich aller Menschen bedeutet, dass wir unsere Entscheidungsfreiheit an Großkonzerne abgetreten haben. In dem Moment, wo wir uns einer bestimmten Marke verschrieben haben, müssen wir diese unterstützen, ob es gut ist oder nicht.

5. Sportmarketing am Beispiel von Schuhen.

Am Beispiel von Laufschuhen wird das besonders deutlich! Der erste Laufschuh wurde in den 70er Jahren von einer gewissen griechischen Göttin in einer Garage mit einem Waffeleisen zusammengezimmert. Mit der weicheren Sohle ermöglichte er rücksichtsloser zu laufen und überbrückte die Schmerzrezeptoren unserer Fußsohle. Er ermöglichte so kurzfristig bessere Leistungen. Die Risiken die mit dem Tragen von Schuhen einhergehen, werden natürlich von einer Werbung nicht gezeigt. Wissenschaftliche Studien konnten keine Vorteile von gepolsterten Laufschuhen gegenüber dem Barfußlaufen zeigen. (PS: Natürlich hast du mit Spikes auf der Bahn mehr Traktion, aber ist das auch gesünder für dich?) Ist ja auch egal, weil Werbung ist bunter, besser, geiler und sie lässt dich nur das sehen, was du willst. Das was bunt, schön und geil ist.

6. There is no such thing as a free lunch

Es gibt nicht was es um sonst gibt. Als OCR-Läufer solltest du das Wissen. Es gibt nichts geschenkt. Ohne diszipliniertes und kontinuierliches Training wirst du deine Leistungsfähigkeit nicht halten können. Genauso ist es mit der Interessenvertretung im Sport. Ohne eine disziplinierte und kontinuierliche Zusammenarbeit, werden wir es nicht schaffen die Interessen der Athleten zu vertreten. Natürlich gibt es immer einen leichteren Weg. Aber dieser kommt dich am Ende unter Umständen teurer zu stehen, als gleich den harten Weg zu gehen. Denn nur wenn du aktiv mitbestimmst, wo du deine Zeit und dein Geld hineinsteckst, bekommst du auch am Ende das was du wolltest.

7. The Real Deal

OCR 24h Enduro Worldchampionchips Fabian Sinning Fat Raccoon Weltmeister
Ohne Verband ist der Start bei solchen Meisterschaften für die Athleten extrem teuer. Warum sollten die besten nicht starten können, weil sie es nicht bezahlen können?

Wenn wir also einen Sport kreiren wollen, der den perfekten Athleten (ich rede hier von perfekt ausbalanciert) hervorbringt – und meines Erachtens hat OCR genau dazu das Zeug – dann müssen wir uns zusammentun und überlegen wie das klappt. Wenn dieser Athlet, nicht von Werbeverträgen abhängig sein und zum modernen Pausenclown verkommen soll, dann müssen wir in der Lage sein die Athleten und die Trainer zu finanzieren, genauso wie unsere eigenen Wettkämpfe auszurichten. Wir müssen starke Strukturen schaffen, die Unternehmen gegenüber souverän auftreten können und nicht Strukturen, die abhängig sind und um Geld betteln müssen.

8. Starke Vereine und Starke Verbände bringen starke Leistungen.

Das Vereinsleben und Verbände funktionieren können sieht man immer dann, wenn sie gute Leistunge bringen. Ein Verein, der seinen Mitgliedern gute Trainingsbedindungen bietet und damit meine ich vor allem hohe Standards, der lebt und bringt Qualität hervor. Ein Verein der gute Trainer und gute Athleten ausbildet ist zukunftsfähig. Das geht aber eben nur mit Verbindlichkeit, denn ohne Verbindlichkeit, kann ein Verein nicht wachsen. Wenn du dich aber trotzdem dafür entscheidest weiterhin unverbindlich zu trainieren, dann geben eben andere deine Kohle für dich aus und sagen dir was du denken und trainieren sollst. Natürlich ist es leichter unverbindlich und jeder Zeit im Fitti trainieren zu können. Aber je weniger du dafür ausgibst, desto beschissener ist auch die Qualität. Vereine ermöglichen es Jugendlichen und Menschen die nicht die Kohle haben, viel für qualitativ hochwertiges Training auszugeben, trotzdem mit Standards zu trainieren.

Fazit:

Bildet Banden, gründet Vereine übernehmt die Kontrolle! 😉 Nur wenn es eine Vereinsstruktur gibt, kann eine Ausbildung und eine Fortbildung von Trainern und Athleten gewährt werden. Es kann Jugendarbeit gefördert werden. Für eine Professionalisierung, statt Profitmaximierung.

2 Gedanken zu „Warum es Sportvereine braucht – Ein Plädoyer für einen OCR-Verband

  1. Patrick Saal Antworten

    Ein Blick nach Polen zeigt, wie eine gute Organisation sich auswirkt. Ein Blick auf die freie Marktwirtschaft zeigt, dass es da einige Hindernisse gibt. Schweres Thema, gefühlt schon sehr oft diskutiert. Die derzeitige Situation zeigt, dass Deutschland zwar gute Läufe hat, die aber bald vielleicht nicht mehr mithalten können im internationalen Vergleich. In erster Linie geht es ja um das Geld. OCR ist nicht im Breitensport angekommen, auch wenn es boomt. Dass der Trend so weiter geht wünsche ich mir, glaube ich aber nicht. Ich sehe da ein paar Parallelen zum Klettertrend vor einigen Jahren. Die Veranstalter sind derzeit darauf bedacht in Deutschland sie breite Masse zu mobilisieren, die bringt nunmal das Geld. Läufe vom Format Barbarian Race oder Hang On Run gibt es nicht, wenn man einmal von Runtopia absieht. Solange das Geld durch Massen gemacht wird, werden sich auch die Läufe daran orientieren. Ob ein Verband da eine Chance hätte – nunja. Vielleicht. Wenn der boom abebbt bleiben die „Hobby-OCRler“. Zwei Ligen gab es, beide sind gescheitert. Mehrere Vorstöße habe ich in meiner sehr überschaubaren Zeit mitbekommen. Letztendlich hatte ich immer den Eindruck dass es nicht um den Sport, sondern um finanzielle Mittel geht. Ein Verband kann sicher viel bewegen, wenn die Organisatoren der Läufe mitspielen. Das Maß an Macht definiert sich dann aber über die Mitglieder. Und über wie viele Deutschlandweit würden wir reden? Ich würde mal vorsichtig 500 schätzen, die tatsächlich da mitziehen würden. Und ich glaube das ist wirklich optimistisch. Und ich glaube die erste Aufgabe die ist der Aufbau einer vernünftigen, unabhängigen Struktur mit Fokus auf Nachwuchsförderung als Schwerpunkt. Genau da krankt es in Deutschland. Ob das überhaupt möglich ist weiß ich nicht.

    In der Tat hast du aber absolut Recht, zumindest eine Interessenvertretung muss her. Alleine schon um mitzuhelfen den Sport zu entwickeln und voran zu bringen. Die Vision von Spartan Race ist die Aufnahme von OCR bei den olympischen Spielen. Es wäre sicher näher dran als Tischtennis, wenn man sich die wirklich ursprünglichen Ziele der Spiele anschaut. Ich sehe das aber nicht für Anfang der 2020er Jahre. National und international sollte es aber einen Leitverband geben, der mit den Organisatoren in Verbindung steht. Und dabei nicht auf dicke Hose macht, das ist das wichtigste. Denn die breite Masse interessiert es nicht ob Thibault, Jonathan oder Małgorzata an einem Lauf teilnimmt. Die kennen die nicht. Lieschen Müller will im Schlamm spielen und ein Shirt haben, dazu ein Facebook Photo. Auch wenn immer mehr dazukommen die viel Aufwand betreiben, so wird Lieschen erstmal noch Hauptzielgruppe bleiben. Und hier sehe ich wirklich den Verband als Notwendigkeit. Er kann mithelfen, vermitteln und entwickeln. Kostet aber Zeit. Und Geld. Da sehe ich noch eine Herausforderung. OCRi ist ein richtiger Schritt, darauf könnte man aufbauen. Aber ich sehe die Gefahr eines „überambitionierten Aktionismus „.So etwas wie zentrale, gesteuerte Vorgaben mit großzügigen Grenzen wären sicher wünschenswert, aber eher ein Ziel in einem zehn Jahresplan. Ich tue mich schwer damit daran zu glauben, dass man sich so lang gedulden kann. Aber ein zu frühes Vorpreschen kann wieder die Organisatoren verprellen und von denen ist der Sport abhängig. Ich glaube, um den Bogen zum Anfang zu schlagen, dass wir uns an unseren polnischen Nachbarn orientieren sollten. Vielleicht hatte Deutschland mehr Starter bei der EM, aber starker Zusammenhalt, gutes Auftreten und beeindruckende Selbstinszenierung haben die Polen sehr gut gezeigt. Da gibt es ein Organisationskommitee, eine Liga mit Punktewertung (soweit ich das sehen kann).Und manchmal ist weniger mehr. Vielleicht sollte man in dem Zuge über eine Kaderverkleinerung (und ja, natürlich würde das auch bedeuten, dass ich nicht mehr starte) nachdenken sollte. Das aber wieder würde eine Mitsprache bei der EM/ WM bedeuten…und das wieder würde bedeuten, dass die Veranstalter da mitspielen müssten, was sie bei einer hohen Mitgleiderzahl wieder lohnen könnte… Und alles was darüber hinaus geht ist eine nette Idee, sollte aber erstmal hintenangestellt werden.

    Zusammenfassung: Vielfalt durch Konkurrenz orientiert an der breiten Masse ist momentan wohl der Stand. Eine Interessenvertretung kann ich mir vorstellen, wenn man nicht versucht sein eigenes Ding durchziehen will und mit dem Kopf durch die Wand. Ich sehe hier ein Aufwachsen von OCRi mit ernstzunehmenden Sportlern eigentlich als einen Ansatz, der erfolgsversprechend sein kann. Aber immer Hand in Hand mit den Organisatoren. Und man muss sich darüber klar sein: Die ersten Jahre ist das Arbeit, die bestenfalls ehrenamtlich sein kann.

  2. Oliver Diedam Antworten

    Bin auch für Vereine .
    Da sind wir Vorreiter der Mc Pirate e.V ist einer der ersten Vereine gewesen, der den Ocr Bereich mit aufgenommen hat.
    Gibt halt viele Vorteile, die ein Verein für die Mitglieder und den Sport mit sich bringt.

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