Toughestmudder: Hello darkness my old friend…

Toughestmudder: Hello darkness my old friend…

Am Wochenende war ich in Berlin beim Toughest Mudder. Ich bin geplatzt, nach drei Runden bin ich ausgestiegen. Die letzte Runde war die härteste in meiner bisherigen OCR-Karriere. Warum? War es weil ich Jens und Joschi ziehen lassen musste? War es weil mein Fuß Probleme gemacht hat? War es weil meine Schuhe scheiße schwer und seifig waren, weil sie sich mit Wasser vollgesogen haben? War es weil mein Neo zu warm war und mich in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt hat? Oder war es alles zusammen?

Fat Raccoon, Toughest Mudder, 8 Hours, Nachtschicht, Lausitzring, OCR Pacemakers,
Schon auf dem Hinweg die erste Katastrophe, die Erdnussbutter im Rucksack ausgelaufen :O

Scheitern lehrt uns am meisten und nur aus Fehlern lernen wir.

Das Problem ist meistens lernen wir nur aus den eigenen. Aber wenn ihr den selben Mist baut wie ich, dann erkennt ihr ihn vielleicht als solchen. Die letzte Runde war die härteste, weil ich mit mir selbst konfrontiert wurde. Ich begegnete mir also in mitten der Nacht alles passte irgendwie nicht und obwohl ich wunderbar wieder weiterlaufen konnte, wenn ich wollte, wollte ich einfach nicht.

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Joschi Und Jens, diese zwei Maschinen waren diesmal einfach zu schnell für mich.

Woran lag es nun also?

Ich habe mich das ganze Jahr auf die WM in Sydney vorbereitet über ein halbes Jahr habe ich einen Trainingsplan durchgezogen. Dazu habe ich mir lange Trainingsläufe und Trainingswettkämpfe in den Plan geschrieben und um diese Läufe herum diszipliniert trainiert. Kurz vor Sydney hatte ich schon noch wenig Lust zu trainieren also kam die Taperingphase gerade richtig. Ich genoß es in Sydney zu wandern und nur zwischendurch mal ein wenig zu laufen. Am Tag des Wettkampfes war ich erholt und konnte meine Rennstrategie super umsetzen. Es lief alles wie geplant und der Wettkampf war wie für mich gemacht.

OCR 24h Enduro Worldchampionchips Fabian Sinning Fat Raccoon Weltmeister
Völlig zerstört, aber die Laune stimmt. Ohne positive Einstellung gehts einfach nicht.

Als ich aus Sydney zurückkehrte gönnte ich mir eine Woche Ruhe, dann probierte ich es mit einem gemütlichen 5er. Natürlich konnte ich den Typen vor mir nicht einfach laufen lassen und gab Gas, meine Beine liefen schon wieder und ich legte eine saubere 19min Runde hin. Nicht schlecht für eine Woche nach dem Wettkampf oder? Na dann kann ich ja auch bei Beat the Summer mitlaufen? Okay ich laufe nur die kleine Runde. Schön noch bei der 18km Runde Volunteer gemacht und mit Lucas zusammen den anderen Feuer unterm Arsch und uns beide heiß auf das folgende Rennen. Lucas hängte mich zwar relativ schnell ab aber ich schaffte es am Ende des Tages auf einen sehr ordentlichen dritten Platz.

Danach kam die EM.

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Ich konnte es nicht lassen und bin nach Dänemark gefahren. Die EM wollte ich einfach nicht verpassen. Foto OCR Bilder (Michael Schröder)

Ich hätte mich schonen sollen, aber ich konnte der Verlockung nicht wiederstehen, ich wollte wissen, wie gut ich meine Schwachstelle Griffkraft trainiert hatte und wie weit ich es in diesem brutalen Kurs schaffen würde. Dank Stefan B-Man konnte ich auch noch einen Startplatz in der Journeymangruppe ergattern. Läuferisch lief es super. Ich arbeitete mich an den vorherigen Startgruppen ab und kämpfte mich immer weiter nach vorne. Musste dann allerdings an den Hindernissen im Stau stehen, kam aus dem Flow und dann auch aus der Power. Ich bekam bei einem Hindernis Probleme mit der Schulter, die Kraft reichte einfach noch nicht. Die Schulter merke ich seitdem bei Pullups. Irgendwie lief es seitdem nicht mehr rund. Dann noch die Ratsrunners-Serie, eigentlich hatte ich überhaupt keine Lust, aber ich hatte ein Team angemeldet und ich wollte meine Jungs nicht hängen lassen. Meine Ergebnisse waren zwar okay aber an meine Ergebnisse vom letzten Jahr konnte ich nicht anknüpfen und richtig ins Training kam ich auch nicht.

OCR 24h Enduro Worldchampionchips Fabian Sinning Fat Raccoon Weltmeister
Foto OCR Bilder (Michael Schröder)

Irgendwas ist ja immer!

Mittlerweile ist jedes Wochenende ein Rennen und ich sehe eigentlich jeden Tag Postings davon, wer gerade welches Rennen gefinisht hat. Jeder einzelne haut irgendwelche Bestzeiten raus und ich krebse hier gerade so vor mich hin. Irgendwie wird es nichts: Das nervt! Woran könnte das liegen?
Vielleicht daran, dass ich mir keine richtige Pause gegönnt habe? Vielleicht. Ich lese gerade das Buch: „Training for the New Alpinism“ als ich eine Passage über das Versagen von den Autoren bei einem Aufstieg las und die Ursache dafür im Übertraining lag, kamen mir die Symptome sehr bekannt vor. Dabei habe ich doch eigentlich nicht viel trainiert. Also alle anderen trainieren irgendwie mehr als ich. Trotzdem hatte ich die letzten Wochenenden entweder einen Workshop bei dem ich alles gegeben habe oder ein Rennen. Kein Wunder, dass ich keinen Bock auf Training hatte.

Berlin, Berlin, wir fahren nach … Lausitzring

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Das geilste Team der Welt auf dem Lausitzring 😉

Als ich also von den Anderen abgeholt wurde um nach Berlin zu fahren hatte ich schon so eine Ahnung, dass das heute nicht gut werden würde. Trotzdem hatte ich unfassbar Bock auf ein Wochenende mit meinem Team, den OCR-Pacemakers. Die Motivation der Jungs war brutal und steckte mich an. Als es dann endlich losging, war ich natürlich vorne mit dabei, mit Jens und Joschi an meiner Seite brachte ich mich in Position und wir schossen los. Nach der ersten Runde waren wir bereits in den Top 20. Eine 5:10 min /km Pace ist zwar sportlich aber prinzipiell nichts was ich nicht über die Zeit von 8 Stunden halten könnte. Meine „rechnerische“ Marathonpace läge bei 4:16min/km. Aber ich konnte bereits nach zwei Runden nicht mehr mit Joschka und Jens mithalten. Die beiden waren an den Hindernissen schneller und ich musste regelmäßig bereits in der zweiten Runde zu ihnen auflaufen. Es strengte mich einfach zu sehr an. Nach zweieinhalb Runden lies ich abreißen. Was dann folgte war ein Kampf gegen mein Ego. Den Rest der Runde hatte ich Zeit mir zu überlegen woran es lag. Ich musste mir eingestehen, dass ich zwar 24h-Stunden Weltmeister in meiner Altersklasse sein konnte, dass ich aber auch den normalen Trainingsgesetzen unterliege und die lauten nunmal, wenn du scheiße trainierst kommt am Ende scheiße bei raus. Mal eben so nebenbei einen 8-Stunden-Lauf abreißen funktioniert vielleicht, wenn du fit bist.

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Auf gehts in die Nacht, Lampen an und losgeheizt!

Aber wenn du schon seit Wochen scheiße trainierst und die ganze Woche auf dem Arsch im Büro verbracht hast, und alles zwickt und zieht, dann funktioniert das eben nicht. Was lernen wir aus der Geschichte?

Man kann nicht immer Top-Leistungen bringen!

Das mag zwar für Spitzensportler funktionieren, die ein ganzes Team hinter sich haben, aber auch die regenerieren und auch die haben mal einen schlechten Tag..

Man kann nicht überall mit dabei sein! Ja es gibt 500 Bilder bei Facebook und Insta und ja die Läufe sehen alle verdammt geil aus und dann ist da noch der Ultraviking und das Ultrabeast und die 24h in Uhingen und die 24h in Mikes und ne Woche später das Getting Tough. Achja und die WM in London ist auch noch. FOMO- Fear Of Missing Out nennt sich dieses Phänomen. Wenn du überall mitläufst wird’s irgendwann auch alles scheiße. Also lieber ein paar Highlights setzen und den Rest nächstes Jahr machen. Was gut ist kommt wieder und wenn nicht ist’s auch nicht schlimm.

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Alle topmotiviert, ich habe mich natürlich anstecken lassen. Wer würde sich bei so einer Stimmung auch nicht anstecken lassen

Ende gut, alles gut?

Nachdem ich diese bittere Pille geschluckt hatte und meinen Timing Chip abgegeben hatte ging ich in die Pit. Heiko sah mich an und meinte nur so etwas wie: „Boah Junge du siehst echt scheiße aus!“ und so fühlte ich mich auch. Richtig mies! Ich hatte das Gefühl mein Team hängen gelassen zu haben und nicht nur mich sondern auch alle anderen enttäuscht zu haben. Nachdem ich mich unter der Dusche aufgewärmt hatte und wieder zurück ins Pit-Zelt kam munterten mich die anderen wieder auf. Den Rest der Nacht verbrachte ich damit mein Team und die anderen bekannten zu unterstützen und zu versorgen. So konnte ich ein kleines bisschen zum Erfolg der anderen beitragen. Konnte die aufmuntern, die genauso wie ich nicht mehr weitermachen konnten.

Das Heidi mit Jens Hilfe am Ende den Platz 2 der Frauen erringen konnte setzte der Nacht dann doch noch irgendwie die Krone auf.

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Heidi hat mal wieder einen rausgehauen, ganz entspannt auf den zweiten Platz. Glückwunsch nochmal an dieser Stelle von mir. Vor ihr war nur Alliso Tai, die hat mir in Sydney schon gezeigt, was sie kann!

Sie hat für uns alle die wir in der Pit standen und mitgefiebert haben der Nacht noch einen geilen Abschluss verpasst. Und auch Joschka und Jens haben mit Top 20 und Top 10 gezeigt, dass die OCR-Pacemakers eine schlagkräftige Truppe ist mit der jederzeit zu rechnen ist. Alle gemeinsam standen wir in der Pit und haben sie angefeuert, jeder von uns hat nach Kräften gekämpft und als Team haben wir uns gegenseitig unterstützt! Dieser Teamgeist ist es, der OCR für mich zu einem einmaligen Erlebnis macht. Aber dieser Teamgeist ist es auch, der es so hart macht mal ein Rennen nicht mitzulaufen.
Es ist eben immer ein schmaler Grat zwischen Erfolg und Misserfolg. Vielen Dank an mein Team für die aufmunternden Worte und die Unterstützung auch wenn es mal nicht lief. Am Ende wars halt trotzdem geil mit euch! Ich mach die Woche aber erst mal nüscht 😉

Und die Moral von der Geschicht? Manchmal läuft es, manchmal nicht.. und vielleicht sollte man auch mal den ein oder anderen Lauf nicht laufen, auch wenn es unter den Fingernägeln juckt. Aber die Erfahrung muss glaube ich jeder selber machen!

 

 

 

 

2 Gedanken zu „Toughestmudder: Hello darkness my old friend…

  1. Stephan Voigt Antworten

    Stark geschrieben und nicht jeder wäre so ehrlich gewesen. Kopf hoch und weiter gehts. Vielleicht sehen wir uns beim GT.
    Alles Gute bis dahin💪✌

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