Spartan Race Valmorel – Resilienz Training

Spartan Race Valmorel – Resilienztraining

Ein Lektion in Sachen „Resilience!“

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Friedlich liegt es da: Valmorel. Der Resilienztest steht mir noch bevor.

Der Spartan Race Gründer Joe de Sena hat ein Lieblingswort, das sich duch seinen Spartan Up Podcast wie ein roter Faden durchzieht: Resilienz ist die Kunst nach einem Niederschlag wieder aufzustehen.  Es beudeutet nach dem dem Scheitern weiterzumachen und sich nicht entmutigen zu lassen. Resilienz heißt durchziehen, wenn etwas mal nicht so klappt, wie man sich das vorgestellt hat. Das Spartan Valmorel war eine Lektion in Sachen Resilienz und zwar vom Feinsten. Am Wochenende bin ich ordentlich auf die Fresse gefallen! Sprichwörtlich und Wortwörtlich! Mehrfach, richtig, leicht und mit vollem Schwung. Jetzt heißt es die Lektion akzeptieren, nach vorne schauen und das Beste daraus machen. Der Spartan Super in Valmorel war ein richtiges Brett. Warum erfährst du im folgenden Artikel.

Anreise:

Wir sind mehr als sieben Stunden mit dem Auto angereist und haben nicht eine Schneeflocke gesehen. Nichts. Nicht ein Körnchen. Die ganze Schweiz: Grün! Würde überhaupt etwas an Schnee liegen? Die ersten Zweifel wurden schon auf der Hinfahrt geäußert. Marco, Jens, Hannes und ich waren trotzdem guter Dinge. Das würd ein krasses Rennen werden. Marco hatte sich von mir breitschlagen lassen, Hannes hatte einen Startplatz gewonnen, ich wollte mich für die Elitewelle der 24h-Stunden WM qualifizieren und Jens der alte Spartiat hatte einfach mal wieder Bock sich ein ordentliches Renne anzutun. Ach ja und wenn er schon so weit fährt, dann auch gleich zwei, damit es sich lohnt.

Ankunft

Wir kamen spät am Abend an, machten noch unsere Sachen für den nächsten Tag bereit und gingen mehr oder weniger direkt ins Bett. Jens und ich entschieden uns dafür doch nicht Oberkörper frei zu laufen. Ich entschied mich für Dreiviertelhose, North Face Thermo Unterhemd (hat bereits beim vorletzen Getting Tough the Race gute Dienste geleistet) ein Buff und ein paar einfache Arbeitshandschuh, an den Füßen trug ich den „Vivobarefoot Primus Trail Soft Ground“ ohne Socken. Jens trug den selben Schuh, mit Zehensocken. Ich entschied mich gegen die Socken, weil ich befürchtete, dass sie im Schuh nass und kalt werden würden, außerdem trage ich einfach ungern Socken.

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Jens, Hannes, Marco und der dicke Waschbär in freudiger Erwartung…

Was uns wirklich erwarten würde konnten wir nicht ahnen.

Hardcore, Halsbrecherisch und Höhenmeter

Am nächsten Morgen ging es früh los. Wir waren wach, aufgeregt und holten die Startnummer ab. Bis zum Start der Elitewelle klappte alles reibungslos. Wir wollte nach Möglichkeit zusammenlaufen und uns gegenseitig motivieren. Dann fiel der Startschuss –
Wir hatte uns etwa in der dritten Reihe auf der rechten Seite eingereiht. Ich hatte schon ein mieses Gefühl, dass wir so weit hinten standen. Ich wusste, dass wenn ich vorn mitlaufen wollte ich auch erste Reihe starten müsste. Aber wir kamen nicht weiter durch.

Der Start des Sprints am Sonntag da war der Schnee schon plattgetreten und Jens kam gut durch, bei ihm lief es glatt im wahrsten Sinne des Wortes:

Beim Super war das leider nicht so… Alle sprinteten los und nach etwa 50 Metern kam es zum Crash.

Vor mir waren Läufer im Schnee gestürtzt und ich fiel über sie und wurde von hinten auf die fallenden Läufer geschoben. Der Sturz kostete mich wertvolle Zeit. Ich verlor Marco und Jens. Egal jetzt nicht unterkriegen lassen aufstehen, Tempo machen, wieder nach vorn arbeiten. Am Ende werden Rennen gewonnen. Also versuchte ich Meter gut zu machen. Allerdings musste ich schnell feststellen, dass das ein Ding der Unmöglichkeit war. Der Anstieg war ein Singletrail der Schnee war in einer Spur festgetreten, links und rechts war rennen unmöglich.  Zwar setzte ich mehrfach zum überholen an, aber ich fiel jedes Mal sofort hin. Der Läufer vor mir machte keine Anstalten mich vorbeizulassen. Die Fairness, die ich sonst von Trails kenne schien hier nicht zu gelten. Auch als ich auf einem kurzen Stück Ziehweg zum Spurt ansetzte, der nächste Läufer vor mir auf einem Trailstück lies mich ebenfalls nicht durch. Game Over!

Das Rennen war vorbei, bevor es richtig angefangen hatte

Ich war am Boden. Ich wusste nicht was noch auf mich zukommen würde, die Strecke war nicht bekanntgegeben worden und der Übersichtsplan allenfalls rudimentär und diese Aufholjagd im Schnee kostete mich viel zu viel Kraft. Ich sah Marcos Triathloneinteiler vor mir blitzen und schloss zu ihm auf. Uns beiden war klar, dass das heute nichts mit Top 10 werden würde. Marco verfluchte mich und Jens und alle die ihn dazu überredet hatten mitzukommen. Das Rennen war brutal. Der Uphill mit nahezu null Trittsicherheit fraß Kraft ohne Ende.  Ihr glaubt mir nicht? Den Livebericht von Spartan findet ihr hier.

Er vermittelt ein schönes Bild davon, was uns wiederfahren ist. Es ging schnurstracks 1000 Höhenmeter im Anstieg hoch. Die Höhe machte auch mir zu schaffen und ich merkte, dass ich die Läufe in den Alpen nicht gewöhnt war. Beim nächste Mal reisen wir definitiv vorher an und akklimatisieren uns ein wenig.

Auf den Boden

Als wir glaubten, wir seien fast oben, kam der ekelhafteste Barbwirecrawl meines Lebens: Es ging die Skipiste hoch und der Stacheldraht war so tief gespannt, dass er sogar an den Seiten ein durchkriechen ohne hängenbleiben unmöglich machte. Das Krabbeltraining in der Halle hatte sich ausgezahlt und Marco blieb hier hinter mir zurück. Joe und sein Resillienz-Test würden mich nicht klein kriegen. Wenn mich ich schon nicht qualifizieren würde, dann würde ich wenigstens noch alles aus mir herausholen.

Der Gipfel?

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Kämpferpose vor dem Rennen, wie sehr ich kämpfen musste ahnte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht

Nein noch lange nicht. Es ging erst noch weiter hoch, und weiter. Mir wurde warm, die Sonne kam raus und ich zog dann doch noch das Shirt aus. Mit freiem Oberkörper lief ich durch die Alpenkulisse, sie war atemberaubend! Jedoch hatte ich eh schon kaum noch Luft und so bekam ich wenig davon mit. Der Fokus lag auf dem Rennen und ich kämpfte mit meinem Inneren Schweinehund. Selten war ich in einem Rennen so schlechte drauf und musste mich so quälen.Tatsächlich dacht ich ernsthaft daran alles hinzuschmeißen.

Ich hatte einfach keinen Bock mehr. Scheiß auf Joe mit seiner Resiliez!

Ein Schneehaufen mit einem Seil oben, irgendwie zog ich mich hoch und lief weiter. Mein Kopf hatte kapituliert und meine Beine wollten schon lange nicht mehr. Erst als der Gipfel in Sicht und wir auf eine Skipiste kamen, konnte ich wieder an soetwas wie Laufen denken. Oben angekommen war ein Hangelhindernis aufgebaut. Eine Negativwand aus Stangen, die wir anspringen hochhangeln und dann überwinden mussten. Das Hindernis klappte erstaunlich leicht. Ich fasste neuen Mut. Ist also doch was dran an dieser Resilienz?

Bloody Downhill

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Zerstörte Beine, wege der Sonne nur schwer zu erkennen, aber an den Unterschenkeln hatte ich überall kleine Schnitte und Blasen an den kleinen Zehen.

Wenigstens an den Hindernissen konnte ich die Früchte meines Trainings erkennen. Also lief ich wieder: Resilienz!! Lauf halt weiter. Ich fand meinen Trott und machte Meter, während ich vorher überholt wurde, überholte ich nun wieder andere. Dann endlich der Downhill. Ich gab Gas. Die Beine flogen nur so den Berg hinunter, im Schnee der Piste konnte man immer ein wenig bremsen und so schoß ich einen Ziehweg hinab Kurve für Kurve.

Der Spaß war wieder da!

Aber auch diese Geschwindgkeit kostete Kraft ohne Ende. Der Untere Rücken war schon vom Astieg geschwächt und nur litt auch der Rest des Rumpfes. Als ich um die Kurve bog und die Kiste mit den Eisenketten vor mir liegen sah. Wir mussten eine Runde mit der Eisenkette durch den Tiefschnee und zwar erst hinunter und dann wieder hoch. Bei jedem Tritt versuchte ich so vorsichtig wie möglich zu sein. An zügiges Gehen war nicht zu denken. Meine Schienbeine brannten bereits vom Einbrechen in den Schnee, bei dem sich jedes Mal die Eiskristalle in die Haut bohrten. Ich hinterlies eine Blutspur. Meine Resilienz wurde wieder und wieder getetestet. Ich versuchte irgendwie neben der Piste durch den Schnee zu Rennen ohne mir die Beine oder Schlimmeres zu brechen.

Nur noch runter!

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Siehst du die Racer dort unten im Tal, sie Laufen durch Schnee und andere Qual

Irgendwer sagte, dass es jetz nur noch bergab gehen würde. Es kamen noch einige Hindernisse, alle gingen relativ leicht. Dann ging es durchs Dorf ich dachte nur wäre ich dem Ziel nahe. Falsch gedacht es ging nocheinmal ums Dorf und unterhalb herum durch den Tiefschnee. Nun kam der Schneeballwurf, dieser ersetzte beim Winterspartan wohl den Speerwurf, denn das Signature Obstacle der Spartanserie fehlte.Ich musste hier meine ersten 30 Burpees absolvieren: Resilienz hoch 30. Dann kam auch endlich der Sandsack.

Fieser Sack!

Dieser musste vor der Brust getragen werden und durfte nicht auf den Schultern oder auf dem Kopf balanciert werden. Shit! Und zu allem Überfluß musste man damit auch noch über zwei Rundehölzer balancieren. Das erklärte, warum alle Burpees machten. Aber nicht mit mir. Ich zog die Schuhe aus und balancierte einfach Barfus drüber, mit Sandsack und Schuhen in der Hand Easy! Dann kam ein das Reifenziehen. Die Reifen blieben im durch die Sonne angetauten Schnee kleben und die nasse Kordel konnte ich kaum greifen. Ich war das nächste mal kurz davon das Handtuch zu werfen. Die Slacklines hatten ihre besten Tage bereits hinter sich und die Gestelle waren so wackelig, dass ich hier die nächsten Burpees machen durfte.

Nach müde kommt blöd… oder eben Resilienz?

Dann kam der Gedächtnistest und ich hatte einen Zahlendreher, wieder war die Relisienz gefragt, während ich so auf Deutschvor mich hinzählte stellte ich fest, dass der Volunteer grinste, nicht weil er so ein Drecksack war sondern, weil er mich verstand. Er sprach Deutsch und sagte mir, dass es jetzt nur noch knapp zweihundert Meter waren. Ich riss mich ein letztes Mal am Riemen nachdem Jens mich mit einen doofen Spruch beim Burpeesmachen überholt hatte, hangelte locker durchs Multirigg und lief ins Ziel, dort erwartet mich Jens mit den Worten:

„Das war kein Super, das war ein Beast!“

Die Wärmedecken brauchte ich nicht, ich war auf Hochtouren. Wir tranken Tee und warteten auf Marco. Er kam etwas später als wir und verfluchte uns. Wir flitzen schnell unter die Dusche und wareteten auf Hannes, der nach uns gestartet war. Er kam und war mit seinem Rennen zufrieden, sein Knie hatte gehalten und auch er war heil im Ziel. Wir waren uns einig, dass das ein Mörder Rennen war und verbrachten den Rest des Tages mit Essen und Wunden lecken. Ein echter Resilienz-Test.

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Nach vorne schauen und die Leere aus dem Rennen ziehen. Resilienz bedeutet: Es geht weiter.

Fazit

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Auf dieses Ding bin ich verdammt stolz! Wir haben verdammt hart dafür gearbeitet! (Foto Hannes Gumprecht)

Der Start war eine Katastrophe. Das Rennen an sich war eine der härstesten Strecken, die ich bisher erlebt habe und die Bedingungen waren trotz schönen Wetter echt heftig. Der eisige Schnee machte jeden Schritt zu einer echten Herausforderung. Auf dieses Rennen war ich nicht vorbereitet. Ich war für ein Hindernisrennen trainiert, nicht für eine Schneeschlacht dieser Art.

Und die Moral von der Geschicht: Manchmal läuft es, manchmal nicht…

Selbst wenn es vom Start weg gut geklappt hätte, hätte ich bei diesem Rennen wenig Chancen gehabt. Jetzt heißt es Wunden lecken. Lehren ziehen und härter trainieren! Die Kleiderwahl war fahrlässig: Der Schuh an sich hat überraschend gute Dienste geleistet, der Grip war gut allerdings hatte ich beim Downhill auf einmal einen Schuh locker, sodass ich Angst hatte ihn zu verlieren. Ich hatte zwar tierisch kalte Füße und ich weiß nicht, ob die Blasen an den Füßen von der Kälte oder vom Schuh kommen, weil ich zeitweise mein Füße nicht mehr gespürt habe. Normalerweise werden sie ja beim Laufen warm, aber in großen Strecken war laufen aufgrund des Schnees nicht möglich.

Resilienz macht einen Athleten und erfolgreichen Menschen aus, meint Joe. Ich weiß es nicht so genau, aber ich weiß:
Es geht weiter auf der Road to Sydney…

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