OCR-Series Fürstenau Vorsprung durch Technik

Der folgende Rennbericht ist mehr eine Rennanalyse. Also weniger ein Bericht darüber wie das Rennen war sondern mehr eine Analyse, dessen wie meine bisherigen Trainingsmethoden angeschlagen haben. Und welche Lektionen ich mit ins Training nehmen konnte. Vorweg ich hatte ein echt geiles Rennen. Wenn du also neugierig bist,was ich aus dem Rennen gelernt habe, dann solltest du weiter lesen.

Das Rennen lief viel besser als erwartet

und das obwohl ich im Vorfeld nur sehr wenig trainiert habe. Ich habe eigentlich nur Mobility Training und ein wenig Krafttraining gemacht. Klar habe ich auch mal eine Woche meines neuen Trainingsplans getestet um zu sehen, wie die Belastungsintensität ist aber die meiste Zeit habe ich vor dem Computer verbracht und Berichte geschrieben und den Trainingsplan am PC ausgearbeitet und in die App eingetippt. Wirklich viel Lauftraining hatte ich nicht in den Beinen und meine Schulter machte mir zu schaffen. Mein Plan für diesen Tag war also locker durchzulaufen es nicht zu übertreiben und auf die Lauf- und Atemtechnik zu achten.

Mit dieser Prämisse ging es ins Rennen.

Natürlich nicht ohne vorher eine Menge alter Bekannter zu sehen. Die meisten hatten gelbe Leibchen an, deswegen versprach ich Ihnen ein baldiges Wiedersehen auf der Strecke!

Das Feld entspannt von hinten aufrollen

Ich musste, da es mein erstes OCR-Series Rennen war, im blauen Leibchen von hinten starten. Das nahm von vorherein ein wenig den Druck raus. Ich beschloss also, mich darauf zu konzentrieren locker zu laufen. Ich achtete hauptsächlich darauf eine ruhige Atmung zu behalten und entspannt in den Bauch zu atmen. Außerdem legte ich meinen Fokus auf die Hüftstreckung und die Abdruckphase. Das klappte sehr gut, bis etwa KM 14, dann war die Muskulatur müde und ich merkte die fehlenden Trainingskilometer, schnell verfiel ich wieder in alte Muster. Zwischendurch überholte ich Stefan B-Man beim Laufen. Ich war erstaunt ihn so weit vorne zu finden, schließlich hatte er das letzte Jahr hauptsächlich damit verbracht seine Achillessehne auszuheilen. Läuferisch konnte ich ihn dann zwar stehen lassen, aber er schaffte es sich am Beserkercrawl wieder an mir vorbei zu schieben.

Ein kleiner Fight unter Freunden

Mein kleines Battle mit Stefan half mir dabei zwei wesentliche Erkenntnisse wieder zu bestätigen. Technik ist entscheidend und regelmäßiges Training derselben ist der Schlüssel zum Erfolg. Der Kerl hat nämlich dafür, dass er nicht laufen konnte umso intensiver an seiner Hindernistechnik gefeilt. Das zeigte sich dann auch bei Hindernissen wie dem Beserkercrawl, dem Lowrig usw. Aber viel wichtiger für mich war die Beobachtung meiner eigenen Performance während des Rennens. Es gab einen Punkt, bis zu dem das Laufen mir sehr leicht fiel. Dieser Punkt war auch derjenige, bis zu dem mir alle Hindernisse leicht von der Hand gingen.

Ein entspannter Laufstil lässt dir genug Kraft um die Hindernisse locker zu bewältigen!

Das Mantra für einen guten Laufstil ist: Schrittfrequenz, Haltung und Entspannung. In dem Moment, in dem deine Schrittfrequenz zu niedrig ist, kostet dich der Lauf mehr Kraft. Wenn ich meine Schrittfrequenz konsequent auf einer Frequenz halte, die es mir ermöglicht reflexiv zu laufen, benötige ich wesentlich weniger Muskelkraft. Da meine Sehnen die Bodenreaktionskraft aufnehmen und ich mir ihre Elastizität zu Nutzen mache. Wenn ich eine vernünftige Haltung einnehme, erlaube ich meiner Muskulatur über die gesamten Faszienketten hinweg zusammenzuarbeiten. Dadurch funktioniert die Kraftübertragung weitestgehend reibungslos.

Noch viel wichtiger ist der Faktor, dass durch eine gute Haltung auch tatsächlich die Muskulatur die wesentliche Arbeit beim Laufen verrichtet, die dafür verantwortlich ist. Dadurch vermeide ich Dysbalancen und daraus resultierende Überlastungen. Eine schwache Bauchmuskulatur beispielsweise sorgt dafür, dass das Zwerchfell zur Stabilisation der Körpermitte mit eingespannt wird. Wenn das Zwerchfell ermüdet, dann ist auf einen Schlag die Spannung in der Muskulatur weg. Der sogenannte Metaboreflex sorgt nämlich dafür, dass die lebenserhaltenden Funktionen (Atmung) vorrangig versorgt werden. Andere Dysbalancen merkst du allerdings meist erst nach dem Rennen wenn das Adrenalin weg ist. Die verspannte Oberschenkelrückseite beispielsweise ist ein gute Indikator, dafür dass dein Gesäß während des Laufens nicht genug Power aufbringt.

Entspannung ist der dritte wichtige und nicht zu unterschätzende Faktor.

Hast du dir eine Spitzengruppe beim Marathon schon einmal genauer angeschaut und dich gefragt, warum das bei den Jungs auch bei diesem Tempo noch so locker aussieht? Die Antwort ist einfach, weil es locker ist. Die Entspannung der Muskulatur ist ein wesentlicher Faktor dafür, dass die Muskulatur diese Leistung erbringen kann. Denn nur ein Muskel, der sowohl Anspannung als auch Entspannung erfährt, wird optimal mit Nährstoffen versorgt. Die Atmung spielt dabei eine wesentliche Rolle. (Wenn dir das Atmen im Wettkampf schwerfällt kann es sein, dass deine Atemmuskulatur verspannt ist. )
Je entspannter du also läufst, desto schneller kannst du laufen, paradox oder?

Die Hindernisse am Ende des Rennens bestätigten meine These nochmals, ich kam sehr gut, durch die bekannten Hindernisse durch. Bei den neuen und mir noch unbekannten Hindernissen, brauchte ich enorm viel Kraft und Zeit, um mir eine geeignete Taktik zu überlegen. Wenn du gut auf die Hindernisse vorbereitet bist hilft das. Eine allgemeines Training ist super und legt die nötige Grundlage. Ein spezifisches Techniktraining entscheidet über Sieg oder Niederlage.

Fazit OCR Series Fürstenau

Die Strong Viking OCR Series setzt einen Standard was das Hindernislaufen in Deutschland angeht. Ich habe noch selten einen derart kompletten und gut ausbalancierten Hindernislauf absolviert. Die Mischung aus sehr anstrengendem Carry, Krafthindernissen, technischen Hangelhindernissen war einfach großartig. Auch das Zeitstrafensystem war sehr gut geregelt. Das Terrain war sehr anspruchsvoll und die sandigen Wege verlangten einiges von der Wade. Auch ansonsten war das Rennen sehr gut organisiert. Einziges Manko ist die zweitägige Wartezeit für die Ergebnisse. Das geht heutzutage wirklich schneller. Ein Rennformat welches den Anspruch erhebt europäische Spitze zu sein, kommt um Livetracking und Kameras nicht herum.