Luna Sandals – Vom Laufen in Latschen

Luna Sandals – Vom Laufen in Latschen

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Auch bei einer gemütlichen Wanderung durch den Schnee blieben die Füße warm.

Angefangen hat alles damit, dass Emanuel Bohlander von der Barefoot Academy mir erklärt hat, wie ein Fuß funktioniert und warum er – wenn überhaupt eigentlich- nur noch in Luna-Sandals läuft. Nein angefangen hat eigentlich alles damit, dass ich Born to Run gelesen habe. Oder hat es schon damit angefangen, dass mein damaliger Fitnesstrainer meinte, ich solle meine geliebten Flipflops nicht mehr tragen und mir mal „Ready to Run“ von Kelly Starret durchlesen. Also irgendwie hat es alles damit angefangen, dass ich über das Laufen und Laufttechnik gelesen habe und immer wieder Dinge und Meinungen über Laufequipment geändert habe. Ich erinnere mich noch an eine Diskussion, mit einer anderen Läuferin über Luna-Sandals und ich habe ihr damals erklärt, dass ich das Laufen in Sandalen für Quatsch halte. Ich war davon überzeugt, wirklich! Ich fand meine Vivos einfach besser.

Nachlesen, wie ich zum „Natural Runner“ wurde kannst du hier.

Was ich von Barfußschuhen verschiedener Hersteller halte erfährst du hier.  In diesem Artikel erkläre ich dir, warum ich es in Erwägung gezogen habe meine Meinung zu ändern.

 

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Einfach mal in den Fluss hüpfen, geht! Immer 🙂 In der Regel mache ich mir so die Füße sauber 🙂

Sandalen?

Kommen wir also zum Punkt: Laufen in Latschen! Ja oder nein? Warum ja, warum nein? Definitiv ja! Es gibt einen wichtigen Grund, der entscheidend ist, dass ich in Luna-Sandalen laufe. Nur die Sandale erlaubt es meinem Fuß, dass er vorne seine volle Breite erlangt. Also erlaubt nur die Sandale meinem Fuß zu arbeiten. Denn der Fuß ist so aufgebaut, dass er über ein Gewölbe verfügt. Dieses Gewölbe bestehend aus einem Quer- und einem Längsgewölbe funktioniert als Federrung für den Aufprall, der entsteht, wenn du beim Laufen mit dem Fuß auf den Boden aufschlägst.

Kennst du die Zeitlupenaufnahme eines Tennisballs, der gegen die Wand prallt?

Er verformt sich vollständig und wird komplett platt, bevor der Gummi wieder in seine ursprüngliche Form zurückschnellt und von der Wand zurückprallt. Dabei absorbiert er die Bewegunsenergie und gibt sie wieder ab. Ein Fuß funktioniert ähnlich, nur dass wir eben Sehnen haben, die zurückschnellen und über ein relativ komplexes Windensystem die Kraft aufnehmen und wieder freigeben, sodass uns dieser sogenannte „Windlass“-Effekt die Möglichkeit gibt nahezu mühelos zu laufen. Damit das funktioniert braucht der Fuß Platz. Stell dir vor, du würdest den Tennisball in eine Enge Röhre stecken und gegen die Wand schießen, funktioniert nicht? Aber warum steckst du deine Tennisbälle in zu enge Schuhe?

Du bist noch skeptisch?

Okay, ich gebe zu ich war es auch. Wirklich! Ich fand das seltsam in Latschen zu rennen. Ich habe mein ganzes Leben gelernt, dass es ordentliches Schuhwerk braucht, um den Fuß zu schützen und beim Laufen zu unterstützen. (Ist Bullshit! Hab’s auch nicht glauben können, aber es gibt wissenschaftliche Studien, die sogar nahelegen, dass das Tragen moderner Laufschuhe exakt das Gegenteil von dem tut, was die Werbung der Laufschuhhersteller uns glauben lassen soll.) Aber die Argumente die dafürsprachen waren bestechend. Also genauer gesagt hörte der stechende Schmerz im Knie auf, als ich anfing in Latschen zu rennen.

Probier’s mal aus.

Zieh deine Schuhe und deine Socken aus, schieb die Zehen zusammen und wackel mit dem Knie, zieh die Zehen auseinander und mach die selbe Bewegung noch einmal. Gibt es einen Unterschied? Lass es mich in den Kommentaren wissen!

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Die Sandale erlaubt dem Fuß seine volle Breite. Das sind die Füßchen nach 56k durch dne Taunus

Die Auflösung für den Trick. Der große Zeh und die Fußmuskulatur haben direkten Einfluss auf die Stabilität des Knies. Der große Zeh ist bei der natürlichen Laufbewegung einer der hauptsächlichen Druckpunkte. Wenn du ihn nach Innen drückst kann er die Funktion der Pronationsstütze nicht mehr erfüllen. Dann brauchst du eine Pronationsstütze im Schuh, weil der Schuh oder der Socken die natürliche Pronation nicht mehr erlaubt.

Nun aber zum wesentlichen

Ich habe mir also ein Paar Latschen gekauft und bin damit gelaufen. Auf der Suche nach einem Händler habe ich die Website von Markus entdeckt. Markus betreibt neben der Website einen kleinen Laden in Oberursel, also quasi auf dem Weg zu meiner Laufstrecke. Ich habe ihn angeschrieben, bin bei ihm vorbeigefahren und wir haben uns über Barfußlaufen, Barfußschuhe und, und, und ausgetauscht. Kurzum wir haben uns sehr gut verstanden und er hat mir einen Luna OSO FLACO 2.0 geschenkt, damit ich ihn auf Herz und Nieren testen kann.

Markus Weber von Barfuß-gefühl.de betreibt einen kleine Laden in Oberursel dort kann man Lunas anprobieren. Wir haben uns lange unterhalten und er hat mir den OSO Flaco 2.0 zum Testen mitgegeben.

Bis dahin bin ich nur den Mono 2.0 gelaufen. Die beiden Sandalen unterscheiden sich dadurch, dass der Mono für „leichtes“ Gelände ausgelegt und mehr ein Allrounder ist, der OSO ein wahres Profilmonster ist. Mit seiner Vibram Megagrip-Sohle ähnelt er vom Profil her eher einem Traktorreifen. Dabei ist der OSO noch ein wenig dünner und direkter vom Laufgefühl als der Mono.
Die Idee mit den Latschen hat man sich übrigens von den Tarahumara Indianern abgeschaut, die sich -so steht es in „Born to Run“ geschrieben- einen alten Autoreifen um den Fuß binden und damit sagenhafte Ultramarathons laufen. Soviel zur Theorie. Ich habe also den Oso Flaco auf Herz und Nieren getestet, dass bedeutet ich bin damit alles mögliche gelaufen. Schnee, Asphalt und Matsch.

Muddy Trails

Der erste Test für den OSO war ein verdammt Matschiger Traillauf über den Altkönig. Der Schnee war am Tag zuvor geschmolzen und die Wege waren völlig verschlammt. Der OSO hatte Grip keine Frage. Bergauf ging alles super. Der Matsch war allerdings echt fies und man musste aufpassen, wo ma hintrat. Bergab war das dann eine andere Geschichte. Der Grip der Sohle war ausreichend. Allerdings setzte sich der Matsch zwischen Sohle und Fuß fest.

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Die große Schwachstelle von Luna-Sandals: Matsch! Wenn er zwischen Fuß und Sohle gelangt ist das eine SEHR rutschige Angelegenheit

Ein Problem, dass man wohl eher vom Laufen in Sandalen kennt. Ich hatte es allerdings auch beim Ratsrunners Bühlertann, dass der Schlamm in und außerhalb meiner Schuhe dafür sorgte, dass keinerlei Traktion mehr vorhanden war. Die Lunas haben leider nebem dem Rutschen im Schuh, dann noch den Nachteil, dass du von der Sohle rutschtst. Mit anderen Worten, Downhill im Matsch mit Luna geht nur mit angezogener Handbremse! Aber und dass muss an dieser Stelle auch gesagt sein, einmal durch die Pfütze gelaufen und die Dinger sind wieder sauber und wenn sie nass werden bleibt der Grip erstaunlich gut.

Schnee? Schnee!

Man kann in Lunas 56,6 km durch den verschneiten Taunus laufen. Die Kälte und die 56k haben meinen Füßen jedoch einiges abverlangt.

Kann man im Winter mit Lunas laufen? Ja man kann! Sehr gut sogar! Da ich nun versprochen hatte mit den Lunas zu laufen musste ich sie auch testen. Okay ich gebe auch zu ich neige dazu meine persönlichen Grenzen stark auszutesten. Ich mutete meinen Füßen einen 56,6km Traillauf über den Taunushöhenweg in Lunas zu.

Den ausführlichen Bericht findest du hier. Fazit des Laufs: Ich habe es geschafft. Aber ich habe deutlich gemerkt, dass meine Füße auf diese Distanz noch nicht vorbereitet waren. Meinen Beinen ging es super. Ich hätte direkt weiterlaufen können am nächsten Tag, wäre da nicht der Muskelkater in den Füßen gewesen. Hinzu kommt, dass ich durch den Lauf eine verstärke Hornhautbildung an der Ferse hatte. Die Kälte war deutlich an den Füßen zu spüren, vor allem wenn wir durch den frischen Neuschnee liefen, der an meinen Zehen hängen blieb. Teilweise empfand ich es sogar als unangenehm. Faszinierender Weise hatte ich jedoch keine kalten Füße. Ganz im Gegenteil meine Füße wurden warm und waren super durchblutet. Während des Laufens habe ich ein unglaubliches Gefühl in den Füßen gehabt.

Fazit

Wie alle Schuhe haben die Luna-Sandals vor und Nachteile. Für einen Barfußschuh haben sie eine recht dicke Sohle, dass fand ich am Anfang irritierend. Durch die dicke Sohle erlauben sie durchaus über die Ferse zu laufen.

Lauftechnik ist entscheidend!

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Auch auf felsigem Untegrund spürt man in Lunas keine Durchschläge auch wenn das Terrain anspruchsvoll ist.

Als ich sie beim Montagslauftreff des Frankfurter Laufshops trug und mich spontan dazu bereiterklärte die 5:30er Gruppe zu pacen. Merkte ich auf die letzten 2 km, dass ich aufgrund des langsameren Tempos als gewohnt eine niedriegere Schrittfrequenz als sonst gelaufen bin. Das spürte ich in den Oberschenkeln. Die Lunas erlauben das durch ihre dicke Sohle. Dafür haben die Lunas einen wesentlichen Vorteil gegenüber allen anderen Barfußschuhen. Sie sind vorne breit genug für den menschlichen Fuß und erlauben eine natürliche Pronation.

Hinzu kommt das Luna-Sandals erstaunlich gut halten.

Selbst im übelsten Matsch rutschte ich zwar etwas aber die Riemen hielten den Schuh erstaunlich gut am Fuß. Der „Active-Strap“ ein zusätlicher Klettriemen fixiert die Sandale zusätzlich über dem Sprungelenk und macht sie damit zum Laufen genial. Im Vergleich mit allen anderen Barfußschuhen sind sie damit meine Favoriten. Ob sie OCR tauglich sind werde ich noch testen müssen. Vielleicht werde ich dazu einen der Ratsrunners-Läufe nutzen, da sie für einen sanften Einstieg geeignet sind und ich bereits, weiß wie es sich anfühlt den Lauf im Zweifel ohne Schuhe zum Ende zu bringen.  Während des Test wurde ich von einigen für völlig verrückt erklärt, viele waren neugierig, manche hatte Verständnis ganz wenige hatten sogar selbst ein paar Lunas.

Es lohnt sich auf jeden Fall, sich ein Luna-Sandals Paar zuzulegen.

Der Preis ist heftig, aber er ist gerechtfertig. Mit der Luna-Sandale hält man genauso ein Hightech-Produkt in der Hand, wie mit einem normalen Laufschuh. Der Unterschied ist jedoch, dass die Sandale sich dem Fuß anpasst und nicht der Fuß vom Schuh eine Laufbewegung vorgegeben bekommt. Man läuft direkter, man läuft naturverbundener. Man fühlt mehr vom Lauf. Meine Knie waren dankbar dafür und die Luna-Sandale ist für mich nun fester Bestandteil meines Lauftrainings. Ich werde nicht mehr darauf verzichten und solange ich keine bessere Alternative gefunden habe, werde ich weiter im Schnee mit Sandalen laufen: Meine Füße schimpfen zwar manchmal aber spätestens wenn man damit durch eine Pfütze springt. Dann kommt das innere Kind wieder zum Vorschein und es gibt nichts schöneres.

3 Gedanken zu „Luna Sandals – Vom Laufen in Latschen

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