50k+x Butzbach-Feldberg-Hohemark

Butzbach-Feldberg-Hohemark 50k+x

Hausberg Taunus Fat Raccoon 50k+x
Der Blick vom Hausberg (Foto Alex)

Der 50k+X Traillauf war von mir vor allem als Trainingslauf geplant. Ehrlich gesagt habe ich nicht sonderlich viel darüber nachgedacht, meinen Kalender ungefähr nach Trainingswochen eingeteilt, nach einer Strecke gesucht die ca. 50km lang ist und habe eine Veranstaltung erstellt. Lange Läufe alleine finde ich nämlich ziemlich doof. Allgemein finde ich alleine Laufen meistens doof. Ich laufe lieber in der Gruppe. Es macht Spaß so ein Erlebnis teilen zu können und so war es auch am Sonntag. Aber lies selbst…

Vorbereitung

Kaffee und Latschen. Eher minimalistisch unterwegs eben 😉

Nachdem ich mich für die ersten Ultras noch „aufgegeart“ habe ohne Ende. Also das typische: Das kann man bestimmt gebrauchen. Habe ich es dieses Mal eher Basic gehalten. Mein erster Ultra war der Zugspitz Supertrail mit 60km und 2700HM. Damals habe ich Rennberichte gelesen und bin mit Christoph einkaufen gegangen. Ich habe stundenlang über Verpflegung nachgedacht und habe mir sogar ein Paar Stöcke gekauft.

Dieses Mal ist mir Samstag vorher noch eingefallen, dass ich vielleicht noch ein paar Kokosriegel beim Alnatura holen sollte und so habe ich das noch schnell erledigt.

Was mich eher beunruhigt hat, war die Frage: Würde überhaupt jemand kommen? Sind noch andere so bekloppt an einem Sonntag mal eben 50k+x durch den Taunus zu rennen. Wer mich kennt weiß, mit den Zeiten und Kilometern und so habe ich es nicht so. Auch planen ist eher weniger meins. Ich setze mir Dinge in den Kopf und dann ziehe ich sie eben durch.
Aber da andere noch ein- aus- und umsteigen wollten musste ich ein wenig Informationen bereitstellen. Vielen Dank an Tobi, der bei GPSIES die Routen geplant hat. Ich bin für diese Instrumente zu ungeduldig und ungeschickt.

Wer kommt alles?

Butzbach Lauftreff Fat Raccoon 50k+X
Eine lustige Runde. Zwei Mitglieder des Butzbacher Lauftreffs liesen es sich nicht nehmen uns ein Stückchen zu begleiten.

Das war die Frage die mich wohl am intensivsten beschäftigte. Ich wusste, dass Tobi sich angekündigt hatte. Jens hatte auch zugesagt, René war auch am Start und außerdem würde Mike von München anreisen. Also würde ich schonmal nicht mehr alleine Laufen müssen. Noch ein paar andere hatte sich über Facebook angemeldet. Würden alle durchhalten? Wie würde es laufen? Spielt das Wetter mit?

Mir gingen jede Menge Fragen durch den Kopf und ich war froh, als endlich der Tag 50k+x da war.

Mike kam pünktlich und ich schmiss noch die restlichen Sachen in den Rucksack. Angesichts des fallenden Schnees packte ich noch zwei Thermodecken ein, man kann ja nie wissen. Am Westbahnhof angekommen holte ich mir noch einen Kaffee und eine leckere Tüte Gummibärchen und dann gings los in Richtung verschneiten Taunus.

Westbahnhof Schnee Fat Raccoon 50k+X RMV
Das Wetter versprach großartig zu werden. Mike war begeistert und wir haben uns in der Unterführung vor dem Schnee versteckt
Hausberg Taunus Fat Raccoon 50k+x Trail Running
Und da laufen wir hin. Also das da hinten im Nebel, siehst nicht? Naja wir laufen ja hin. (Foto Jens)

In Butzbach angekommen erwartete uns bereits eine gut gelaunte Truppe. Bereit 50k+x zu laufen: Tobi, Jens und René die uns bis zum Ende begleiten würden, Alex der uns ein kleines Stückchen begleiten würde, damit er so auf um die 30km kommt, Sabine die uns bis zum Bahnhof Lochmühle begleitete und zwei Mitglieder des Butzbacher Lauftreffs kamen uns auch willkommen heißen. Sie und ihr Hund begleiteten uns die ersten Höhenmeter bis auf den Hausberg, von wo aus wir das erste Mal sehen konnten was uns an diesem Tag erwarten würde.

Also theoretisch müssen wir da lang…

Da der Hausberg einen kleinen Umweg bedeutete aber wir alle noch frisch waren liesen wir uns die kleine Schleife nicht entgehen. Was dazu führte, dass wir einfach mal in Richtung GPS liefen irgendwie quer durch den Schnee. Die erfahrenen Trailführer vom OCR Frankfurt vorne Weg 50+x und das x könnte mehr werden. „Also der Weg müsste irgendwo in dieser Richtung sein…“ „Er kennt eine Abkürzung hat er gesagt!“ Bevor die ersten jedoch ernsthaft anfingen zu schimpfen, hatte Tobi, den ich kurzerhand zum Navigator erklärt hatte, schließlich hatte er die Route auf seiner Uhr, den Weg wiedergefunden.

Taunus Fat Raccoon 50k+x Trail Running
Also wenn wir so weiterlaufen sind das 9 Stunden… Die ersten Hochrechnungen für 50k+x Butzbach-Feldberg-Hohemark

Die Freude war groß, als wir das X und das T die den E3 und den Taunushöhenweg kennzeichnen wiederfanden. Dieser Beschilderung folgend ging es nun durch den verschneiten Taunus. Mal ging es bergauf, mal ging es bergab, meistens ging es jedoch bergauf. Die ersten Hochrechnungen für die Laufstrecke von Tobi und Rene betrugen 9 Stunden Laufzeit.

Butzbach? Butzbach!

Taunus Fat Raccoon 50k+x Trail Running
Zur Abwechslung ging es mal bergauf..

Ein erstes Murren ging durch die Gruppe, als wir nach ca. 16km Butzbach erreichten. Also strenggenommen den Ortsteil Maibach aber auf dem Ortsschild stand groß Butzbach. Ich hörte sogar einen Teilnehmer von hinten lautstark an meiner Ortskenntnis zweifeln. Dann ging es weiter über Stock und Stein Richtung Wernborn, wo wir einen weiteren Teilnehmer verloren. Alex verabschiedete sich von uns und wünschte uns noch eine Menge Spaß. Den sollten wir haben. Er dreht in Richtung Butzbach ab. Während wir die Weltstadt Wernborn in Richtung Saalburg/Lochmühle verließen. Der Weg führte durch einige kleinere Ortschaften ansonsten über Wald und Feldwege. Zwischendurch sorgten immer wieder Trailabschnitte für Abwechslung.

Kransberg Taunus Fat Raccoon 50k+x Trail Running
Schloss Kransberg. Einer der schönsten, wenn auch steilsten Abschnitte, ein Aufstieg wird meistens durch einen atemberaubenden Blick belohnt. (Foto Jens)

Kurz bevor wir die Saalburg erreichten fanden wir uns auf dem Limesweg wieder, der sich von nun an mit dem Taunushöhenweg decken würde. Wir liefen durch verschneite Überreste der Römer. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits einen Großteil der Strecke zurückgelegt und seltsamer Weise wollte niemand aus der Gruppe stehen bleiben um Sightseeing zu betreiben. An der Lochmühle verlies uns dann Sabine. Bevor es zur Lochmühle ins Tal ging hatte es noch einmal einen langen Anstieg gegeben ein gerader Forstweg der in voller Länge einsehbar war. Auch Mike fing hier das erste Mal ordentlich zu fluchen an.

Lochmühle Taunus Fat Raccoon 50k+x Trail Running
Schnell nochmal Energie tanken und dann auf zur Lochmühle (Foto Jens)

Lochmühle, ab jetzt gehts nur noch bergauf…

Taunus Fat Raccoon 50k+x Traillaufen
Der verschneite Taunus ist einfach atemberaubend schön.

Der Bahnhof Saalburg Lochmühle war der letzte geplante Ausstiegspunkt vor dem Feldberg. Wir hatten die Siedlung Saalburg noch nicht richtig Richtung Römerkastell verlassen, da ging es auch schon wieder eine wundeschöne Rampe den Berg hinauf. Mike verfluchte hier sich, mich und die Welt aber biss sich tapfer durch irgendwie fand er meinen Rat: „Alles was weh tut hört auch irgendwann wieder auf!“ nicht so überzeugend. Tobi überlegte ernsthaft laut, dass er ja auch vom Sandplacken aus direkt zur Hohemark laufen könnte. Auf meinen völlig verständnislosen Blick erklärte er mir, dass er für einen Mann seines Alters für heute schon genug geleistet hätte. Ich grinste in mich hinein, als ob der wirklich wenn er am Sandplacken ist abdreht und sich den Feldberg entgehen lassen würde.

Taunus Fat Raccoon 50k+x Traillaufen
So langsam wurde es anstrengend.

Schon allein die Sprüche die er sich von mir anhören müsste in Zukunft würden ihn davon abhalten, außerdem mal ehrlich, wenn wir schon am Sandplacken sind, sind die letzten Höhenmeter Ehrensache, die lässt sich keiner mehr nehmen.  So war es auch: Während Jens und ich die Wegweiser des Taunusklubs kontrollierten und feststellen, dass wir eindeutig mehr Kilometer als bis Butzbach angegeben zurückgelegt hatten, verfluchte Mike sich mehrfach selbst. Erklärte dass er Gehpausen brauchte und kämpfte sich Schritt für Schritt zum Sandplacken.

Taunusklub Butzbach Saalburg Taunus Fat Raccoon 50k+x Traillaufen
Das stimmt doch nicht. Jens und ich kontrollieren den Wegweiser.

Feldberg wir kommen

Feldberg Taunus Fat Raccoon 50k+x Traillaufen
Nebel auf dem Feldberg, im Hintergrund die Wildparker die überall auf den Straßen nach oben alles zuparken (Foto Tobi)

Vom Sandplacken an wurden die letzten Höhenmeter mehr und mehr zum Kampf. Wir alle merkten langsam die Kilometer in den Beinen. Erschwerend kam hinzu, dass aufgrund des Schnees ein Haufen Spaziergänger sich auf den letzten Metern zum Feldberg tummelte. Nicht nur, dass ein Großteil zum Laufen zu faul ist und schön mit dem Auto bis oben auf den Feldberg fahren muss. Vor lauter Abgas bekam man kaum Luft. Jetzt lagen auch noch Kippen und Plastikbecher auf dem Weg.

Das sieht man leider oftmals daran wie die Leute die Natur behandeln. Während ich wir immer wieder von irgendwelchen Schlittenfahrern fasst über den Haufen gefahren wurden, die meinten der Weg gehört ihnen, kämpfte ich mich noch durch eine Gruppe Mädels, die derartig parfümiert waren, dass ich ein weiteres Mal Atemnot bekam.

Feldberg Gipfelbuch Taunus Fat Raccoon 50k+x Traillaufen
Dieses eine Mal finde ich haben wir es verdient uns ins Gipfelbuch einzutragen. Schließlich haben wir einen anständige Tour hinter uns. (Foto Tobi)

Dann endlich der letzte Anstieg zum Feldberg und wir waren oben. Es ging ein ordentlicher Wind und wir hatten ernsthaft Mühe uns im Gipfelbuch zu verewigen. Wir hatten ca. 48 Kilometer zurückgelegt und waren sichtlich erschöpft. Wir waren jedoch noch nicht bei 50k+x. Unter fassungslosen Blicken der Spaziergänger, liefen wir zurück und nahmen den direkten weg Richtung Hohemark.

Feldberg Taunus Fat Raccoon 50k+x Traillaufen
Auf dem Feldberg war feinstes Wetterchen angesagt.. Pfuideibi (Foto Jens)

50k+X

Feldberg Schmitten Taunus Fat Raccoon 50k+x Traillaufen
Gipfelstürmer, da warens nur noch 5.

Endlich ging es runter, wir hatten unser großes Etappenziel erreicht. Auch Mike entwickelte ungeahnte Kräfte. Plötzlich war er wieder ganz vorne. Während er an mir vorbei den verschneiten Downhill runterschoss, hielt er auf einmal an und jubelte. Seine Uhr piepste und signalisierte, dass er die 50km Marke geknackt hatte. Ab jetzt waren es die versprochenen 50k+X. Das X entpuppte sich als verdammt zügiger Downhill, den wir in einem 5er Schnitt zurücklegten. Dabei gestanden wir alle, dass wir es zwar ordentlich in den Oberschenkeln mekrten, aber die Aussicht auf ein kühles Weizen im Waldtraut oder das warme Auto beschleunigten unsere Schritte zunehmends. Als wir dann schlussendlich die Hohemark erreichten, waren wir alle stolz es geschafft zu haben.

Taunus Fat Raccoon 50k+x Traillaufen
Der Stolz über die erbrachte Leistung steht allen ins Gesicht geschrieben.

Fazit

Manch einer war erstaunt, wie leicht es doch ging mal 56,6km zu rennen. Aber wir waren alle froh am Ziel zu sein. Während Tobi, Jens und René im Auto verschwanden. Tranken Mike und ich noch das wohlverdiente (alkoholfreie) Weizen und schleppten uns in die U3. Dort machten wir uns erstmal breit und legten die Füße hoch. Zuhause angekommen wurde eine verdiente warme Dusche genommen und dann machten wir uns daran, die verbrauchten 3500 Kalorien wieder aufzunehmen. Ich musste mich sehr beherrschen nicht sofort auf der Couch einzuschlafen. Am Ende war es ein sehr anstrengender aber wunderschöner Tag, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. Ich glaube ich war der einzige aus der Gruppe, der diese Distanz schon einmal zuvor laufender Weise am Stück bewältigt hatte.

RMV U3 Hohemark Taunus Trailrunning 50k+x Fat Raccoon
Ab nach Hause. Glückselig legten wir in der U3 die Füße hoch. Wir waren ein erheiternder Anblick für alle Mitfahrenden. Vor allem das Aufstehen sorgte für Belustigung

 

Für alle anderen war es ein würdiger erster Ultramarathon mit 56,6 km 1800 Höhenmetern und einer reinen Laufzeit von 6 Stunden und 39 Minuten. Fetten Respekt und vielen Dank an alle die mitgelaufen sind. Es war super mit euch!

Taunus Fat Raccoon 50k+x Traillaufen Butzbach Feldberg Hohemark Strava
Die gesamte Strecke von Butzbach über den Feldberg zur Hohemark 50k+x. Das Ergebnis: x=6,6 😉

Als nächstes steht der Grüngürtelultra auf dem Plan. Der Grüngürtel hat den Vorteil, dass er über verschiedene S-Bahn und Ubahnstationen nahezu alle 10km über Aus- und Einstiegsmöglichkeiten verfügt.

Wem das zuviel ist, der ist herzlich eingeladen zum Techniktraining in der Halle oder zur Rudelrunde im Grüneburgpark. 

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Der Bericht über den Lauf 50k+x Butzbach-Feldberg-Hohemark am Sonntag durch den Taunus. Es ging über den E3 und den Taunushöhenweg.
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