Mudmasters 24h Games – Into the Dark

Mudmasters 24h Games – Into the Dark

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Guten Morgen Mudmasters, Dominik Jens und ich vor unserem Pitzelt

In diesem Beitrag berichte ich von meinen Erfahrungen bei den 24h Games. Dabei handelt es sich um ein neues Format der Mudmasters Reihe, also keinen klassischen 24h Lauf, sondern eine Kombination aus 3 Disziplinen. Den 18km Mudmasters in der Startgruppe Alpha mit Ranking, eine Sprint Suprise um 18:00 Uhr und die Nighshift, ein 9h Nachtlauf, der um 22.00 Uhr gestartet wurde. Beendet wurden die Spiele mit einer Siegerehrung um 8:00 Uhr am nächsten Tag, sodass nach 24h Game(s) Over war. Mein Plan war es, die Games zu nutzen um mein Equipment für Sydney zu testen. Mein Fokus lag also auf der Nachtschicht, aber dann kam alles anders und zweitens als man denkt.

Vorbereitung

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Unser kleines Camp 🙂

MIt der Vorbereitung hatte ich mir bis zum letzten Moment Zeit gelassen und mir die Woche vorher noch eben schnell Neo und Nutrition bei Decathlon organisiert. Zum ersten mal würde ich im Neoprenanzug laufen aber die Erfahrungen der letzten 24h-Läufe haben gezeigt, dass es in der Nacht nass, kalt und ungemütlich werden würde. Auch der Austausch mit Neoprenanzug erfahrenen World’s Toughest Mudder Teilnehmern sorgte dafür, dass ich mir kurzerhand noch einen Shorty und einen langen Neoprenanzug organisierte. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellte, auch für Jens. Aber beginnen wir am Anfang. Jens und ich fuhren Freitag bereits gemeinsam aus Frankfurt nach Weeze. Wir freuten uns ganz gewaltig, als mit Volker Pellen, Daniel Pugge, Dominik Wallat und co. jede Menge alte Bekannte und neue Gesichter kamen. Nach und nach trudelten noch mehr Leute ein und es wurde ein großer Spaß schon am Abend stieg die Vorfreude und ich schlief früh aber unruhig ein.

Samstag… 24h Games, lasst die Spiele beginnen

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Kopf an Kopf mit Sebastian. Ich hatte ihm vor dem Rennen gesagt, dass ich locker angehe… War wohl nix. Lieben dank an www.Mudradar.de für das coole Foto

Morgens um 9.00 Uhr ging es dann pünktlich los. Am Start trafen wir noch Alfred, der „nur“ die 18km machen würde, auch Marco war da, und Joschka würde später noch eintreffen. Somit waren bis auf Thorsten, Pat und Marc (der einen Date mit dem Strapsenhändler seinens Vertrauens bei Xletix hatte) das gesamte Ten-Men OCR Camp vertreten. Wir freuten uns tierisch über dieses Wiedersehen. Das einzig doofe war nur, das der Rest der Bande natürlich nach dem Startschuss sofort explodierte. Mein Plan erstmal ruhig anzugehen wurde dadurch zu nichte gemacht, dass Volker vor mir war. Ich kann doch nicht langsamer Laufen als ein alter Mann, der bei der OCR Series die Reste aufsammelt, das geht nicht…

Sebastian Menck bekam das dann auch direkt zu spüren.

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Hang on. Seil mit Sebastian .. 🙂

Während wir noch eine ganze Strecke nebeneinander her liefen, begann ich irgendwann – aus Angst mich könnte der Volker holen – das Tempo zu verschärfen. Irgendwo haben wir uns zwischendrin auch verlaufen und sind einen Kilometer zu viel und zweimal die selben Hindernisse gelaufen. Das waren schonmal zwei echte Motivationsbremsen während des Rennens. Aber wir kamen zurück ins Rennen wie auch immer und fanden den Weg ins Ziel. Das sogar mit einer echt ordentlich Zeit, sodass ich das Rennen an 6. Position beenden konnte. Alfred bearbeitete mich nach dem Rennen, da mein Knie zwickte und mein Tractus sowie mein Beinbeuger böse verspannt waren. Würde es halten?

Warten auf den Sprint

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Warten auf das nächste Rennen mit Joschka, Jenny und Jens von den OCR Pacemakers.

Nachdem die Ergebnisse des Rennens feststanden und ausgehängt wurden, kam das nächste Briefing und das Sprintgeheimnis wurde enthüllt. Es handelte sich um eine 1,9km Strecke mit 9 Hindernissen. Gestartet wurde in 4er Heats die sich nach den Zielzeiten aus den 18km zusammensetzten. Da wir nun also in direkter Konkurrenz gegeneinander antreten mussten, war mein Plan mich zurückzuhalten auch hier gefährdet. Zumal alle drei Wettkämpfe gleich gewertet werden würden, musste ich auch hier ein solide Leistung bringen, um meine Chancen für den Gesamtsieg nicht schon vor der Nacht zunichte zu machen. Ich war mir sicher, dass meine Stärke in der Nacht liegen würde und ich den anderen hier nochmal einiges abnehmen könnte. Während wir uns auf den Sprint vorbereiteten und ich mich warm machte stieg die Ballerbereitschaft stetig an und wurde nur durch eine Verschiebung des Rennens kurz gebremst. Ich hatte mir die Strecke mit Dominik und Felix Cutman vorher angeguckt und wusste genau, wie ich mir mein Rennen einteilen würde.

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First Heat Action, die ersten schießen los!

Bevor ich starten durfte war jedoch der erste Heat mit Daniel, Jens und Alex am Start. Die drei fetzten natürlich los wie die Irren. Wir nahmen die Startaufstellung ein: Noch 5 min bis zum Start.

Drei, Zwo, eins, go…

Dieser lange Holländer neben mir gab ganz schön Gas. Ich beschloss, erst einmal nur an ihm dranzubleiben und zu warten. Soll er das Tempo hochhalten, ich wollte mich ja eigentlich schonen, aber meinen Heat gewinnen wäre auch nicht schlecht. Also lies ich ihn einfach nicht weg. Läuferisch war er stark, an den Hindernissen auch nicht schlecht, aber ich war besser. Also ging es über das Netz, durch den Matsch und ans Multirigg. Das Rigg war ein Pflichthindernis und ich wusste, wie ich ideal durchkomme. Ich schaffte es zu meiner Verwunderung als einziger aus meinem Heat und war am Anfang des Feldes. Ich wusste, jetzt würde ich das Ding nach Hause laufen, wenn ich mir keinen Fehler mehr erlaube. Ich lief weiter zum Farmerswalk, schnappte mir die Kanister und lief los. Als ich sie absetzte war noch niemand in Sicht ich lief weiter zum Reifen ziehen. Der Reifen musste einmal hin und einmal zurück gezogen werden, das wurde beim Briefing deutlich gesagt. Ich zog, rannte auf die andere Seite und hatte den Reifen bis zu zwei Dritteln gezogen, da kamen die anderen. Der lange Holländer zog das Ding einfach ohne sich hinzusetzen im Laufen nach hinten und das verdammt schnell, also beeilte ich mich noch mehr. Ich wollte das Ding jetzt wirklich nicht mehr abgeben.

Mach jetzt bloß keinen Fehler…

Als ich an die Monkeybar kam, war er plötzlich da. Ich konzentierte mich jedoch nur auf mich und darauf sauber zu schwingen. Jetzt nur noch die Halfpipe schaffen. Ich rannte an, und fasste mit den Fingern den oberenen Rand und zog mich hoch, ich war kurz vor ihm. Es war knapp, aber ich wollte das Rennen auf keinen Fall mehr abgeben. Am Seil zeigte ich dann was ich kann, ich schlug die Glocke bevor mein Gegner das Seil überhaupt in der Hand hatte.

Das Ten-Men OCR Camp hat Monster hervorgerbracht. an den Hindernisse bin ich seit Mike’s Gym Marbella eine Macht. PUNKT.

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Frank und ich vor dem Sprint. Mit bester Laune. Am Ende beide mit sehr guter Leistung 🙂

Das bekam der lange Holländer auch zu spüren und so finishte ich als Sieger meines Heates mit großartiger Laune, Frank Buiting und Michael Wrobbel kamen kurz nach uns ins Ziel und erzählten mir, dass mein Konkurrent nur einmal den Reifen gezogen hatte. Mir war es Recht, ich gewann so an zusätzlicher Motivation und konnte insgesamt den Sprint auf Platz 3 hinter Daniel und einem weiteren Holländer abschließen. (Die Sprintwertung wurde erst nach den Games bekannt gegeben) Ich wusste insgeheim, dass ich zu schnell war. Ich futterte enorm viel um den Energievorrat für die Nacht aufzufüllen.  Ich hatte jedoch hervorragende Laune, weil das Knie gehalten hatte.

Nightshift – das HIghlight der 24h-Games?

Pünktlich um 22.00 Uhr ging es los: Feuerwerk und ab in die Nacht! Jens hatte sich meinen Shorty geliehen und wir trabten wie geplant mit einer 6:30er Pace in die Nacht hinaus. Bereits auf der ersten Runde fluchten wir. Der Neo war vieeeeel zu warm, wir freuten uns darauf endlich ins Wasser zu dürfen, um uns abzukühlen. Ich versuchte den Neo aufzumachen. Auf Runde zwei lief ich oben ohne aber die Ärmel nervten mich wie Sau. Ich fluchte und hatte mieserable Laune, versuchte mir jedoch Jens gegenüber nichts anmerken zu lassen.

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Zwei einsame Gestalten auf dem Weg durch die finstere Nacht. Jens‘ Rücken erkenn ich mittlerweile auch im Dunkeln. Foto Mudmasters

Ich war im Kopf nach zwei Runden am Arsch.

Nach der Hälte der zweiten Runde begann es jedoch kalt zu werden und der Neo erwies sich als gute Wahl. Jetzt nervten mich jedoch die Schuhe, hinzukam, dass ich die ganze Zeit aufstoßen musste. Mir ging es auf der ersten Rudne schon schlecht, weil ich zuviel gegessen hatte. Ich schwitzte im Neo jedoch so, dass ich fast einen halben Liter Salzwasser trank, um die Flüssigkeit wieder aufzufüllen, die redete nun mit mir.  Am Ende der zweiten Runde konnte ich nichts zu mir nehmen und meine Schuhe drückten obwohl ich sie ausleerte massiv. Also warf ich sie weg und lief barfuß weiter. Jens beschwerte sich, dass ich sofort schneller wurde. Es fühlte sich gut an. Leichtfüßig, der Sand war jedoch sehr Kalt und ich spürte wie ich Körperwärme über die Füße verlor. Die Hindernisse gingen langsam immer mühsamer aber sie gingen immer noch. Ich bekam jedoch keine Nährstoffe in den Körper und spürte wie mir die Energie ausging.

In der vierten Runde war es dann soweit…

Ich begegnete meiner inneren Verzweiflung. Ich wurde übermannt von all den kleinen Zweifeln, die sich in meinem Kopf umhertrieben, wie sollte ich Sydney schaffen, wenn ich jetzt schon eingehe, wenn es mir jetzt schon so schlecht geht? Was muss ich noch alles bedenken? Habe ich vielleicht falsch trainiert, alles was mich so die letzten Wochen und Monate beruflich umgetrieben hatte, alles was mich persönlich bewegt hatte, kam hoch. Ich lief also, durch die Dunkelheit und mir kamen fast die Tränen. Ich war völlig erschöpft, ich war ausgebrannt, geistig und körperlich. Das einzige, was mir jetzt noch positiv erschien war die Aussicht auf den warmen Schlafsack.

Jens setzte sich zunehmend von mir ab und ich konnte das Tempo nicht halten.

Weitergehen und durchbeißen? Versuchen während des Laufens zu regenerieren? Das wäre alles möglich, aber dieser Wettkampf ist nur ein Test für den eigentlichen 24h Wettkampf in Sydney. Auch wenn ich bis dato gut positioniert war. (Ich wusste nicht wie gut.) Schweren Herzens gab ich auf. Ich dachte an Dominik, Daniel, Volker und alle anderen die noch auf dem Kurs waren und ging – mit dem Gefühl versagt zu haben – ins Bett. Ich legte mich hin und versuchte ein halbe Stunde eine Position zu finden in der meine Beine nicht schmerzten. Dann sank ich in die Erschöpfung und schlief ein.

Guten Morgen?

Als ich aufwachte, war es Dominik der mich weckte. Er gab mir den Stand der Dinge durch, nahezu alle anderen waren wegen der Kälte oder irgendetwas anderem bereits vor mir ausgeschieden. Der einizige aus unserem Bekanntenkreis in den 24h Games der noch lief war Jens. Felix Cutman war nur für die Nightshift angereist und lief wie ein Uhrwerk seine Runden. Als ich ihn in der Pit traf beschloss er vor dem Zielschluss noch eine schnelle Runde reinzuschieben: Er finishte mit 11 Runden. Jens brachte es auf 8 Runden und damit auf das beste Ergebnis unserer Gruppe nur Steven Kistemaker schaffte noch eine Runde mehr und sicherte sich den Gesamtsieg. Jens wurde in der Nightshift zweiter.

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Er kann sogar noch lachen. Jens war der einzige, der bis zum Morgengrauen durchlief und brachte aus unserer Gruppe mit Abstand die beste Leistung. Nur ein Holländer lies uns alle alt aussehen. Foto Mudmasters

Bei der Siegerehrung dann die Überraschung.

Am Ende doch noch nen Freistart abgestaubt. Großartig! 🙂

Ich wurde geehrt, als vierter Platz der 24h. Daniel und Jens hatten genau gleich viele Punkte erreicht und teilten sich den zweiten Platz. So wurde ich quasi lachender 3. Ich war schockiert meinen Namen zu hören, da ich nach meiner Leistung wirklich nicht mehr mit meiner Ehrung gerechnet hatte. Aber das Format hatte wohl noch einige andere überfordert und die Nacht hatte Tribut gefordert. Dementsprechend hoch ist die Leistung von Jens zu werten. Wir beide hatten also einen Freistart gewonnen und müssen wohl oder über beim nächsten mal wieder ran. Die Verzweiflung viel von mir ab, aber die Lektionen die ich in diesem Wettkampf gelernt habe nehme ich mit nach Sydney! Es waren wichtige Lektionen!

 

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